Gruppentherapie in der psychiatrischen Praxis

Zwischen Dynamik, Resonanz und therapeutischer Präsenz

Kursinhalt

Gruppentherapie ist eines der spannendsten und gleichzeitig herausforderndsten Formate psychotherapeutischer Arbeit. Kaum ein anderes Setting macht Beziehungsmuster, Emotionen und zwischenmenschliche Dynamiken so unmittelbar erlebbar. Hier zeigen sich Konflikte, Zugehörigkeit, Scham, Nähe, Rückzug oder Verbundenheit nicht nur im Gespräch – sondern im Moment selbst.

Für viele Patient:innen können Gruppen zu einem Ort werden, an dem neue Erfahrungen möglich werden: sich zeigen, Resonanz erleben, Feedback erhalten, Grenzen setzen, Emotionen ausdrücken oder neue Handlungsmöglichkeiten erproben. Oft entstehen dadurch Prozesse, die Einzeltherapien wirksam ergänzen und vertiefen.

Für Therapeut:innen bedeutet Gruppenleitung gleichzeitig, Komplexität auszuhalten. Aufmerksamkeit verteilt sich auf viele Ebenen gleichzeitig: die einzelnen Teilnehmenden, die Gruppe als Ganzes, aktuelle Dynamiken und die eigene Reaktion darauf. Nicht selten werden dabei auch eigene Unsicherheiten, emotionale Berührbarkeit oder das Bedürfnis nach Kontrolle spürbar.

Dieser Kurs richtet sich an Ausbildungsteilnehmer:innen der Systemischen Therapie am IÖST, die Lust haben, Gruppentherapie nicht nur theoretisch zu verstehen, sondern als therapeutischen Raum selbst zu erleben und zu gestalten.

Themen des Kurses

  • unterschiedliche Formen psychiatrischer Gruppentherapie
  • Aufbau und Gestaltung therapeutischer Gruppen
  • Gruppendynamiken erkennen und therapeutisch nutzen
  • Beziehungsmuster und Interaktionsprozesse verstehen
  • therapeutische Präsenz statt «perfekte Gruppenleitung»
  • Interventionen bei Konflikten, Rückzug und emotionaler Aktivierung
  • Umgang mit Unsicherheit, Überforderung und eigener Verletzlichkeit
  • die eigene Rolle als Gruppenleiter:in reflektieren und weiterentwickeln

Ein besonderer Fokus liegt auf Gruppen mit Menschen, die Schwierigkeiten im Bereich Emotionsregulation und Beziehungsgestaltung erleben – beispielsweise bei Depressionen, Angst- und Traumafolgestörungen, emotionaler Instabilität oder Persönlichkeitsstörungen.

Der Kurs verbindet fachlichen Input mit Selbsterfahrung, praktischen Übungen und gemeinsamer Reflexion. Dabei geht es nicht nur um Methoden und Techniken, sondern auch um die Frage, wie wir als Therapeut:innen in komplexen Situationen handlungsfähig, authentisch und in Beziehung bleiben können.

Wer Gruppentherapie leiten möchte, braucht mehr als Konzepte. Es braucht die Bereitschaft, sich auf Prozesse einzulassen, Unsicherheit auszuhalten und die eigene Resonanz als therapeutisches Werkzeug zu nutzen. Genau dafür soll dieser Kurs einen Erfahrungs- und Lernraum bieten.

Leitung

Dipl. Psych. Doris Versolatto-Werden

 ist Fachpsychologin für Psychotherapie FSP und leitende Psychologin an der Privatklinik Hohenegg. Als zertifizierte IPT-Therapeutin, Supervisorin und Trainerin verbindet sie wissenschaftlich fundiertes Arbeiten mit langjähriger klinischer Erfahrung.
An der Universität Freiburg (Deutschland) forschte sie zur Wirksamkeit der Interpersonellen Psychotherapie (IPT). Heute entwickelt und leitet sie innovative Gruppenangebote und begleitet Fachpersonen in Therapie, Supervision und Weiterbildung.
In ihrer Lehrtätigkeit verbindet sie Interpersonelle Psychotherapie mit systemischem Denken und einem erfahrungsorientierten Lernansatz. Im Mittelpunkt stehen Gruppenprozesse, therapeutische Beziehungsgestaltung sowie der professionelle Umgang mit Emotionen, Verletzlichkeit und komplexen interpersonellen Dynamiken.
 

Details

Termine

23.04. & 24.04.2027

09:00-17:15 / 09:00-15:30

Ort

Institut für Ökologisch-systemische Therapie
Seefeldstrasse 303
8008 Zürich

Kosten & Credits

CHF 560.- für 16 Lektionen
Die Veranstaltung entspricht 16 Credits.

Anmeldung

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